18.06.2021 – Gefahrguteinsatz auf dem Gelände einer Spedition in Oldenburg

Oldenburg – In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni kam es auf dem Gelände einer Spedition an der Holler Landstraße in Oldenburg beim Entladen einer Wechselbrücke zum Austritt eines unbekannten Schadstoffes, von dem zwei Lagerarbeiter offenbar unmittelbar beaufschlagt wurden.

Unter dem Alarmstichwort „Gefahrguteinsatz mittel“ wurden zunächst der Gefahrgutzug der Feuerwehr Oldenburg aus Haarentor, die Abrollbehälter Gefahrgut und Atemschutz, der RW, der A-Dienst, der B-Dienst und der Wachzug der Wache 2 sowie 3 RTW und ein NEF alarmiert. Beim Eintreffen war das gesamte Speditionsgebäude geräumt, zwei Speditionsmitarbeiter litten unter erheblichen Schleimhautreizungen. 5 weitere Personen waren mutmaßlich auch der Schadstoffeinwirkung ausgesetzt, zeigten aber keine schwerwiegenden Symptome. Die beiden am schwersten betroffenen Mitarbeiter wurden umgehend rettungsdienstlich versorgt und im weiteren Verlauf in Oldenburger Krankenhäuser gebracht.


Als mögliche Ursache vermuteten die Mitarbeiter zunächst ein schwarzes Pulver, dass flächig im Bereich der Laderampe verfahren worden war. Weiterhin kamen verschiedene Gefahrstoffe aus der Ladung des Gliederzugs in Betracht, darunter alkoholhaltige Präparate zur Desinfektion und anorganische Salze zur Herstellung von Desinfektionsmittel, sowie Alkohol und Salzsäure. Eine Begasung der Wechselbrücken zur Schädlingsbekämpfung konnte an dieser Stelle bereits sicher ausgeschlossen werden. Da keinerlei Messergebnisse vorlagen, die die Symptome der Mitarbeiter erklären konnten wurde mit Hilfe der Feuerwehr Hamburg Kontakt zum Speditionsstandort in Hamburg aufgebaut. Hier wurde parallel zum Einsatz in Oldenburg auf Videoaufnahmen nach möglichen Unregelmäßigkeiten im Beladevorgang gesucht. Da offenkundig viele Details zur Ursache des Vorfalls unklar waren, stellte sich die Einsatzleitung auf einen mehrstündigen Einsatz ein. Es wurden die Einheit Ohmstede und das HLF der Wache 1 zur Unterstützung mit Personal und Einheit Stadtmitte mit dem ELW 2 zur Einsatzstelle alarmiert. Die Einheit Osternburg wurde zur Wachbesetzung alarmiert.


Im Umfeld der beiden in Frage kommenden Ladebrücken gab es keinerlei Anhaltspunkte für relevante Schadstoffe. Daher wurden nach einer Lagebesprechung die von den Mitarbeitern verwendeten Erfassungsgeräte gesucht und ausgelesen, um zu ermitteln, welche Teile der Ladung bereits aus der Einsatzstelle herausgebracht worden sind. Dabei wurde festgestellt, dass sämtliche gefährlichen Stoffe aus der Ladung noch in einer der beiden Wechselbrücken waren. Das eingangs erwähnte schwarze Pulver (vermutlich Industrie-Ruß) befand sich ausschließlich außerhalb der Wechselbrücken konnte als Ursache ausgeschlossen werden. Auch eine Palette mit schwarzer Bitumenfarbe, die in räumlicher Nähe abgestellt worden war, konnte nun ausgeschlossen werden. Schließlich konzentrierte sich die Ursachensuche auf eine Palette mit Salzsäurefässern. Spuren an den Schraubstutzen legten die Vermutung nahe, dass die Salzsäure aufgrund der sommerlichen Witterung ausgegast und durch den Überdruck abgeströmt ist. Beim Öffnen der Containerbrücke wurden die Mitarbeiter dann vermutlich, wenn auch nur kurzfristig, der entwichenen Chlorwasserstoffwolke ausgesetzt. Der gesamte Einsatz dauerte über 5 Stunden und band zeitweilig 60 Einsatzkräfte.

Text und Bilder: Feuerwehr Oldenburg

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Veröffentlicht von

Thomas Giehl

Thomas Giehl

Leiter Öffentlichkeitsarbeit im OFV, AK Sprecher Internet im OFV, Bezirkspressewart des LFV - Bereich Weser Ems, stellv. KPW im KFV CLP, Internetbeauftragter im KFV CLP,