11.05.2019 – Vertreterversammlung des Oldenburgischer Feuerwehrverband e.V. in Nordenham

Nordenham – LK Wesermarsch – Am 11. Mai 2019 fand die diesjährige Vertreterversammlung des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes e.V. in der Stadthalle ,,Friedeburg“ in Nordenham statt. Gegen 14:00 Uhr eröffnete der Verbandsvorsitzende RBM Dieter Schnittjer die Versammlung mit mehr als 200 Gästen.

Bild: v.l.n.r.: Andreas Müller, Ernst August Müller, Geschäftsführer OFV Christian Rhein, Oliver Moravec NABK, Verbandsvorsitzender RBM Dieter Schnittjer, stellv. Verbandsvorsitzender Heiko Basshusen, Bürgermeister Carsten Seyfarth, stellv. Verbandsvorsitzender Udo Schwarz, Jugendfeuerwehrsprecher des OFV Klaus Fischer

Nach der Eröffnung und Begrüßung durch den Verbandsvorsitzenden wurde den verstorbenen Kameraden aus dem Jahre 2018 gedacht, hier erhoben sich alle Anwesenden von den Plätzen und legten eine Gedenkminute ein.

Weiter ging es mit der Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung und der Beschlussfähigkeit, danach wurde die Genehmigung der Niederschrift der Vertreterversammlung vom 12.05.2018 in Edewecht LK Ammerland eingeholt.

Bild v.l.n.r.: Dr. Ulrich Knemeyer, Johann Kühme, Thomas Brückmann, Carsten Seyfarth, Dieter Schnittjer

Das erste Podiumsgespräch mit den Ehrengästen Bürgermeister Carsten Seyfarth (Stadt Nordenham), Landrat Thomas Brückmann (LK Wesermarsch), Polizeipräsident Johann Kühme (PD Oldenburg) und Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherung Oldenburg Dr. Ulrich Knemeyer behandelten folgende Fragen:

Bürgermeister Carsten Seyfarth: Welche Herausforderungen müssen Sie mit den Feuerwehren der Stadt Nordenham in einer industriell starken Stadt bewältigen? Neben der Gefahr durch die 3 von 4 Stadtgrenzen direkt an der Außenweser sind die Großbetriebe mit vielen Tausend Arbeitsplätzen in unserem besonderen Fokus. Wir sind froh, dass wir in 7 Ortswehren sehr engagierten und motivierten Feuerwehrleute und sehr gut aufgestellte Kinder- und Jugendfeuerwehren haben. An erster Stelle stehen aber die Menschen in der Feuerwehr, die wir für die oftmals riskanten Aufgaben und Einsätze gebrauchen. Daher gehören zu den wichtigsten Aufgaben von Rat und Verwaltung unserer Stadt, die optimalen Rahmenbedingungen für diese ehrenamtlichen Tätigkeiten zu schaffen.

Landrat Thomas Brückmann: Sie waren Schirmherr zum Küstenschutztag, welche Maßnahmen kann der Landkreis treffen und wo sind die Leistungsgrenzen? Wir haben 160 km Küsten- und Seedeiche, ganz wichtig sind die Deiche. Hier haben wir sehr gut funktionierende Deichverbände. Wir haben die Feuerwehren und weitere sehr gut aufgestellte Hilfsorganisationen, diese müssten wir im Einsatzfall einsetzen und im Katastrophenfall in Zusammenarbeit mit dem Stab der Polizeidirektion weitere Kräfte aus nicht gefährdeten Gebieten in Niedersachsen nachfordern.

Wo waren die Schwerpunkte für Ihre gut aufgestellte Feuerwehr und wie konnten Sie diese Umsetzten? Wir haben für den Umbau der FTZ 1,5 Millionen Euro investiert und beschaffen als nächste Maßnahme einen ELW 2 für ca. 500.000 Euro. Erfreuliche Nachricht hört man über die Arbeitsmarktentwicklung in der Wesermarsch? Firmen haben stark investiert und sind am Expandieren, darauf sind wir stolz und versuchen mit vielen Maßnahmen unserer Wirtschaftsförderung hier zu unterstützen, so Landrat Thomas Brückmann.

Polizeipräsident Johann Kühme: Vor welchen besonderen Herausforderungen in der Zukunft stehen den Kollegen/ innen im Polizeidienst? Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger stehen bei uns an erster Stelle. Wohnungseinbruchdiebstahl macht uns ernste Sorgen, hier haben wir eine Spezialeinheit gegründet. Thema Verkehr: Geschwindigkeit ist die Nummer eins bei Verkehrsunfällen, aber immer häufiger wird der Fahrer abgelenkt. Auch dieses führt zu besonders schweren Verkehrsunfällen.

Gewalt gegen Einsatzkräfte ist ein großes Thema, sind nur Gesetze eine Lösung oder welche Wege könnte man gehen? Das Dunkelfeld bei diesem Thema ist sehr groß, so dass Delikte unbedingt angezeigt werden sollten; viele Einsatzkräfte fordern ein Deeskalationstraining. Das Spektrum von Gewalttätigkeiten gegen Feuerwehren bzw. Einsatzkräften ist sehr breit und vielfältig gefächert. Hier geht es um verbale und nonverbale Angriffe. Hier wäre eine Gewaltprävention das beste Mittel.

Dr. Ulrich Knemeyer: Die OEVO initiiert immer wieder neue Schwerpunktaufgaben im Vorbeugenden Brandschutz. Aktuell investieren Sie im Bereich der Landwirtschaft. Welche Dienstleistungen und Fachberatungen sind damit gemeint? Wir haben für die Landwirte ein Team von Sicherheitsberatern, die sich sehr intensiv dafür einsetzen. Die Brandeinsätze in der Landwirtschaft sind in 2018 leicht zurückgegangen, die Schäden waren aber pro Schadensfall höher. Die Beratungsarbeit wird sehr stark nachgefragt.

Die Brandschutz-Erziehung ist ein Erfolgskonzept. Mehr als 150 Brandschutzerzieher/innen sind im OFV-Bereich tätig. Wie bewerten Sie dieses gemeinsame Engagement nach mehr als 20 Jahren? Für die Öffentliche Versicherung ist es neben den Unternehmenszielen eine gesellschaftliche und soziale Verpflichtung in den Vorbeugenden Brandschutz und damit auch in die Brandschutzerziehung zu investieren. Diese Investitionen sind nachhaltig und erfolgreich. Aus der Zusammenarbeit mit den Feuerwehren im Oldenburger Land ist bereits vor vielen Jahren das Brandschutzmobil hervorgegangen.

Der „Feuerwehr-Helfer“ ist eine sehr gute neue Idee in der Partnerschaft zwischen Feuerwehr & Öffentliche. Sie unterstützen auch dieses Konzept nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Welche Hoffnung verbinden Sie damit? In der Einschätzung wird jeder Feuerwehr damit geholfen, um bei einem Einsatz gleich informiert zu sein.

Bild: RBM Dieter Schnittjer bei seinem Jahresrückblick

In seinem Jahresrückblick 2018 berichtete der Verbandsvorsitzende über die innovative Verbandsarbeit des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes. Im Jahre 2018 wurden im Oldenburgischen Feuerwehrverband 2.910 Brandeinsätze, Hilfeleistungen 6.997 Einsätze, 2.628 Fehlalarme; insgesamt wurden im Jahre 2018 – 12.535 Einsätze (ohne Werkfeuerwehreinsätze und Rettungswageneinsätze der BF) abgearbeitet. Im OFV sind drei Berufsfeuerwehren, 11 Werkfeuerwehren, 46 Schwerpunktfeuerwehren, 91 Stützpunktfeuerwehren, 54 Ortswehren vertreten. Im Wirkungskreis OFV stehen uns 9.989 Feuerwehrkameradinnen und Kameraden im Einsatzdienst zur Verfügung. Jugendfeuerwehren gibt es 109 und Kinderfeuerwehren 23 im Bereich des OFV. Jugendfeuerwehrsprecher im OFV Klaus Fischer gab einige Informationen aus den Jugendfeuerwehren und von den Vorstandswahlen der Jugendabteilung vom 10.05.2019 im Feuerwehrhaus Nordenham bekannt.

Bild: Gäste der OFV Verbandsversammlung

Weiter berichtet RBM Dieter Schnittjer über die Fahrzeuge im Oldenburgischen Feuerwehrverband. Zur Verfügung stehen: Brandschutz/ Hilfeleistung 761 Fahrzeuge, Katastrophenschutz 19 Fahrzeuge, Sanitätsdienst 34 Fahrzeuge, 43 Wasserfahrzeuge, 87 Anhänger und 80 Abrollbehälter. Was bewegt uns noch in der nächsten Zeit: Einsatzhygiene, Gefahrstoffexposition, dass  Feuerwehrverwaltungsprogramm soll für den Jahresbericht 2019 zu Testzwecken bereits genutzt werden. Auf das Thema Löschhubschrauber ging Dieter Schnittjer nur kurz ein. Nicht Hubschrauber für die Feuerwehr, wie in der Presse z.T. fälschlich dargestellt, sondern die Vernetzung aller Betreiber von Transporthubschraubern für die Wasserbehälter mit kurzfristigen Einsatzreaktionen ist gefordert. Zukünftig sind für viele Haushaltpositionen besonders auf Landesebene die Gelder der Feuerschutzsteuer nicht mehr ausreichend. Für die zukünftigen Anforderungen an Mannschaft und Gerät müssen zusätzlich Mittel auf allen Ebenen vom Land, den Landkreisen und den Gemeinden/Städte berücksichtig werden.

Bild v.l.n.r.: Oliver Moravec NABK, Sabine Schröder LFV, Andreas Tangemann LFV

Im zweiten Podiumsgespräch mit den Ehrengästen, Sabine Schröder Landesfrauensprecherin des LFV, Andreas Tangemann (Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen) und dem Leiter der NABK Oliver Moravec behandelte folgende Fragen:

Sabine Schröder: Der Anteil Frauen in den Feuerwehren ist seit vielen Jahren nur leicht wachsend. In der JF hingegen ist der weibliche Anteil seit vielen Jahren sehr stark. Was können unsere Verbände für einen höheren Frauenanteil leisten und welche Maßnahmen bietet der LFV? Der LFV unterstützt die Frauen sehr gut, weitere Unterstützung ist die finanzielle Förderung bei Workshops. Familie und Beruf: Wir können uns den gleichen Arbeiten stellen wie jeder Feuerwehrkamerad. Arbeit, Familie und Ehrenamt stellt heute immer noch höhere Anforderungen an die Frauen. Die Frauenpolitik des LFV wird auch zukünftig keine Quotenforderung beinhalten. Sondern unsere Führungskräfte in den Feuerwehren müssen mit Kameradschaft und Qualifikationen überzeugen. Hier erntete Sabine Schröder sehr viel Applaus aus der Verbandsversammlung!

Andreas Tangemann Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes berichtete über den LFV: Wir betreiben als LFV im Auftrag der Landesregierung zwei Flugzeuge im Feuerwehrflugdienst mit den Standorten Lüneburg und Peine, aber hier in unserer Region bräuchten wir auch wie bis vor ein paar Jahren in Damme stationiert, ein Flugzeug im Weser-Ems Gebiet, so Tangemann und erntete großen Beifall. Er berichtet über das Jubiläum, hier wurden viele Aktionen gestartet. Auftakt war der Festakt im Landtag, dann die LFV-Verbandsversammlung in Celle, das NJF Landeszeltlager im Harz, der Bevölkerungsschutztag in Norden/Ostfriesland sowie die Feuerwehrmeile in Lüneburg mit starker Beteiligung und Exponaten der Feuerwehren aus dem Oldenburger Land, dafür herzlichen Dank. Die Interschutz ist die Weltleitmesse für die Bereiche Rettungsdienst, Brand- bzw. Katastrophenschutz, welche in 2020 durchgeführt wird. Gleichzeitig wird der 29. Deutsche Feuerwehrtag als mehrtägige Großveranstaltung in Hannover abgehalten. Die Messe Interschutz findet alle 5 Jahre und der Deutsche Feuerwehrtag alle 10 Jahre statt.

Oliver Moravec: Das Mammutprojekt „Strukturkommission“ hat 2018 auch die Feuerwehrausbildung beinhaltet. Welches sind die Eckpfeiler aus den Arbeitsgruppenergebnisse? Der Bericht steht an, der Minister wird sicherlich den Bericht auf der LFV-Verbandversammlung am 25.05.2019 zum erstmals öffentlich vorstellen. Ein Eckpfeiler ist u. a. die Niedersächsische Akademie für Brand – und Katastrophenschutz.

Trotz hoher Auslastung gibt es immer wieder neue Lehrgangs- und Seminarangebote der NABK. Die Ausbilderanzahl war in den letzten Jahren die größte Herausforderung. Wie stellt sich die Personalsituation aktuell dar? Alle Mitarbeiter in allen Ausbildungspunkten sind mit Herzblut dabei, gestartet sind wir mit 38 Lehrkräften, jetzt sind es ca. 130 Mitarbeiter. Wir haben ein Fachkräftemangel, hier können sich die Arbeitnehmer ihre Arbeitsstelle aussuchen. Bei uns kommen auch ehrenamtlich Tätige zum Zuge. Wir haben einige Stellen ausgeschrieben diese können auf der Homepage der NABK angeschaut werden (www.nabk.de).

Bild.v.l.n.r.: Udo Schwarz, Horst Kortlang (FDP), Karin Logemann (SPD), Susanne Mittag (SPD), Heiko Basshusen

Nach der Podiumsdiskussion ging es weiter zu einem Begrüßungsgespräch mit MdL Karin Logemann (SPD), MdL Horst Kortlang (FDP) und MdB Susanne Mittag (SPD), welche durch Heiko Basshusen und Udo Schwarz moderiert wurden.

Susanne Mittag: Wie kann in Zukunft der Zivilschutz existieren: Das THW wird vom Bund finanziert. Die Feuerwehren und die Hilfsorganisation sind Länderaufgaben und werden mit festen Haushaltsmitteln auf Bundesebene für den Zivilschutz gemäß der Länderkonzeptionen für den Katastrophenfall unterstützt. Wie verändern sich Katastrophenlagen: Klimaveränderung, Stromausfall und Pandemie! Hier bereitet sich der Bund vor, so Susanne Mittag.

Karin Logemann: Freistellung vom Arbeitsplatz für die Feuerwehrkameraden ist ein wichtiges Thema. Ein aktuelles Thema der Landespolitik ist die Gleichstellung für Einsatzkräfte die durch Gleitzeit ihren Verdienstausfall erhalten.

Horst Kortlang MdL (FDP) ging als Handwerksmeister auf die traditionsreiche Verbindung zwischen Handwerk und Feuerwehr ein. Die Zeiten haben sich geändert und das Handwerk wird die Feuerwehren aus Arbeitgeber Sicht die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren auch zukünftig unterstützen. Nur die Aufgaben im Handwerk sind heute völlig andere und sehr viel komplexer.

Unter der Leitung des stellv. Verbandsvorsitzenden Udo Schwarz ging es weiter mit den Wahlen der Sprecher der Abteilungen und Arbeitskreise:

Sprecher der Abteilung „Ehrenmitglieder“: Johann Westendorf

Sprecher der Abteilung „Jugendfeuerwehr“: Klaus Fischer

Sprecher der Abteilung „Feuerwehrmuseum“: Dieter Vahlenkamp

Sprecher Arbeitskreis Pressewarte: Pressewarte = Ulf Masemann

Öffentlichkeitsarbeit im OFV = Thomas Giehl

Sprecher/in Arbeitskreis Atemschutz: Frank Hattendorf

Sprecher Arbeitskreis Kreisbereitschaften: Manfred Kathmann

Sprecher Arbeitskreis Kreisfunkmeister: Bernd Dockmann

 

Ehrungen:

Bild: Bürgermeister Carsten Seyfarth (Stadt Nordenham) = Ehrennadel in Gold des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes

Bild: Kreisbrandmeister a.D. Ernst August Müller = Ehrenmedaille des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes

Bild: Andreas Müller (seit 2003 Ausbilder im Fahrsicherheitstraining) mit der Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen in Bronze

Bild: Herr Ltd.BrD Oliver Moravec = Verdienstmedaille in Silber des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes e.V.

Bild: Eine besondere Ehrung hatte Heiko Basshusen in petto, er verlieh Jugendfeuerwehrsprecher Klaus Fischer die Ehrenmedaille des Kreisfeuerwehrverbandes Wesermarsch.

Bild: Mit den Schlussworten des stellvertretenden Vorsitzenden Heiko Basshusen und der Verabschiedung der Gäste wurde der Tagungsteil beendet.

Bild: Geschaftsführer Christian Rhein

Nach einer kurzen Pause übernahm Verbandsgeschäftsführer Christian Rhein das Wort und erläuterte den Kassenbericht aus 2018, weiter ging es mit dem Bericht der Kassenprüfer. Nun wurden die Genehmigungen der Rechnungsabschlüsse und die Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes eingeholt. Genehmigt wurde außerdem der Haushaltsvoranschlag für die Jahre 2019 und 2020.

Als neue Kassenprüfer wurden bestätigt Werner Schuhmacher (LK Cloppenburg) und Matthias Kruse (LK Friesland).

Christian Rhein bedankte sich zum Schluss der Verbandsversammlung für die hervorragende Zusammenarbeit des Vorstandes und aller Kreisfeuerwehrverbände und schloss gegen 17:30 Uhr die Verbandsversammlung der Oldenburgischen Feuerwehrverbands e.V.

Text und Bilder: Thomas Giehl – OFV